Lukas R. Vogel und Ingo Rasp: Plätze, Pfade, Pausen

Aus bestimmten Blickwinkeln lässt sich nicht sofort erahnen, was genau die weissen Wände der Galerie Palü schmückt. Von Weitem ähneln die Drucke texturierten Malereien mit scharfen, nach aussen stehenden Kanten – zum Greifen nah. Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass es sich um flache und doch monumentale Bilder handelt: Fotografien des Künstlers Ingo Rasp. Mit ihnen zusammen, im selben Raum der Galerie und in einem ununterbrochenen Dialog zueinander, finden sich auch die majestätischen Ölmalereien des Künstlers Lukas R. Vogel. Diese zwei Serien der Ausstellung haben ein gemeinsames Thema: Auf allen Werken finden sich die Berge Graubündens wieder. Indem er die Vergänglichkeit seines künstlerischen Aktes mit der Technologie des Fotografierens verbindet, hat Rasp nicht nur ein Publikum für sich gewonnen, sondern auch Werke geschaffen, die ihresgleichen suchen. Ingo Rasp ist Luftbildfotograf und Architekt – ein Einfluss, der auch in seiner Fotoserie «Temporary Existence» zum Ausdruck kommt. Thema des Werks sind die Berge des Kantons Graubünden, die aus einer Höhe von 3500 Metern über Meer aus einem Hubschrauber heraus fotografiert wurden. Das eigentliche Objekt des Fotos wird bei Rasp zu einer abstrakten und farbenreichen Komposition, in der die Topografie der Berge noch erkennbar bleibt und die zeitgleich offenbart, welche Farbenspiele die Landschaften beim Übergang vom Winter zum Sommer entfalten. Orange, Gelb und Braun stehen für bereits tauende Grasböden. Blaue Linien repräsentieren die Wasserströme. Weiss sind jene Flächen, die noch von Schnee bedeckt sind.

 

Das Werk des Autodidakten Lukas R. Vogel ist geprägt von dessen Faszination für die Berge. Diese Faszination war es auch, die ihn zu einem der bedeutendsten, vielseitigsten und produktivsten zeitgenössischen Künstlern des Engadins gemacht hat. Die Ölgemälde in dieser Ausstellung entstammen verschiedenen Schaffensperioden: von Vor dem Ostgipfel des Piz Palü aus dem Jahr 2004 bis hin zu seinem jüngsten Werk Nachmittag auf der Diavolezza (2013). Sie alle verbindet die Vorstellung von der Natur als dem erhabensten aller Dinge, die es schafft, beim Betrachter die stärksten aller Gefühle auszulösen. Vogels Werk ist stark autobiografisch geprägt, da der Künstler dazu neigte, nur die Orte zu malen, die eng mit den Gebieten verbunden sind, in denen er gelebt hat. Ziel dabei war es auch, den assoziativen Wert seiner Gemälde zu steigern. Im Gegensatz zu den monumentalen Bauwerken unserer Zeit zeigen beide Künstler, dass ihr Interesse bei der Verbindung zwischen Kunst und Natur vielmehr dem Ephemeren, dem Kleinteiligen und dem Nicht-Monumentalen gilt. «Plätze» bezieht sich nicht nur auf einen geografischen Ort, sondern vielmehr auf einen «Prozess», der Erinnerungen, Umwelt, Sprache sowie wissenschaftliche Kenntnisse, aber auch Volkswissen umfasst.

 

 

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